Stift, Lehrling, Azubi!

6. Das Ziel ist in Sicht – Jetzt heißt es: Möbel rücken

Sonntag ist es soweit: Die Ausstellung wird feierlich eröffnet. Auf den letzten Metern vor dem Ziel hieß es vor allem: rücken, schleppen, kleben.

In den letzten paar Wochen haben unsere Werkstätten das Ausstellungsgebäude auf Vordermann gebracht. Vitrinen wurden gebaut, Kabel verlegt und Lampen aufgehängt. Danach galt es die Objekte, die Texte und all die anderen Sehenswürdigkeiten der Ausstellung an ihren Platz zu bringen.

Da Bilder mehr sagen als tausend Worte, sind hier einige Bilder aus dem Aufbau der Ausstellung.

Wir freuen uns auf ihren Besuch!

Dieses Bild kennen Sie schon aus dem dritten Eintrag! In diesen Raum können an verschiedenen Mitmachstationen die Herausforderungen einer Ausbildung im Handwerk testen. So sah der Raum noch vor ein paar Wochen aus…
Die Vitrinen sind geradegerückt und die Fahnen hängen! Noch fehlen aber die Objekte und die Mitmachstationen.
Und fertig! Die Vitrinen sind gefüllt, die Mitmachstationen sind bereit.
An dieser Waage können in einem Spiel die Rechte und Pflichten einer Ausbildung gegeneinander abgewogen werden. Hier steht die Waage noch in der Werkstatt.
Fast fertig! Die Waage steht an ihren Platz. Es fehlen nur noch die Gewichte.
Der letzte Raum der Ausstellung. Hier können spielerisch die Zukunftsperspektiven nach der Ausbildung erkundet werden. Die Möbel sind schon da.
Eine Woche später: Das Spiel ist fertiggestellt und wartet auf ihren Besuch!

Das Ergebnis der Mühen: So sehen die Raumtexte aus, nachdem die Gestalter ein Design entworfen und dieses von der Druckerei auf Stofffahnen gedruckt wurde. In jedem Raum leitet eine solche Fahne die Besucherinnen und Besucher durch die Ausstellung.

5. Texte texten!

Keine Ausstellung kommt ohne Texte aus. Das letzte wichtige Puzzleteil der Ausstellungsvorbereitung war daher viel Schreibarbeit. Und das war gar nicht so einfach!

Immerhin sollen die Texte zwar die Themen und Objekte der Ausstellungsräume präsentieren, dürfen dabei jedoch nicht so lang und umfangreich sein, dass sie von den gezeigten Ausstellungsstücken ablenken oder schlimmstenfalls sogar langweilig sind.

Die Texte müssen sowohl kurz als auch informativ sein.

Die Raumtexte erläutern an prominenter Stelle das Thema und die Inhalte jedes Ausstellungsraumes. Diese Texte haben wir als erstes fertiggestellt, damit die Gestalter sie in ihre Entwürfe einbauen konnten. In jeden Raum der Ausstellung präsentieren sich diese Texte nun auf großen und bunten Bannern, die eine gute Orientierung ermöglichen.

Im Gegensatz zu den Raumtexten unterstützen die Objekttexte die gezeigten Ausstellungsstücke und zeigen den interessierten Besucherinnen und Besuchern Informationen zur Herkunft und Geschichte der Objekte. Diese Texte schrieben wir erst kurz vor Beginn des Ausstellungsaufbaus, da wir uns sicher sein mussten, wie die Objekte im Raum präsentiert werden. Die Texte wurden dann auf stabile Kartonplatten gedruckt und auf die richtige Größe zurechtgeschnitten.

Dann war es fast geschafft! Jetzt musste die Ausstellung nur noch aufgebaut werden. Seit Ende letzter Woche schon ist der Aufbau im vollen Gange. Die Räume müssen nach den Entwürfen der Gestalter eingerichtet und die Ausstellungsstücke an der richtigen Stelle mit den dazugehörigen Texten platziert werden.

Im Eintrag der nächsten Woche wird eine Fotostrecke den Aufbau der Ausstellung dokumentieren.


Die Ausstellung wird bunt! Das Gestaltungsbüro entwickelte mit uns ein frisches Gestaltungskonzept mit vielen Farben, das die Vielfalt der Möglichkeiten in der Berufsausbildung widerspiegelt. Dieses Glücksrad lädt die Besucherinnen und Besucher am Ende der Ausstellung zu einem Spiel zum beruflichen Werdegang nach der Ausbildung ein.

4. Jetzt werden wir kreativ!

Wie ich im letzten Beitrag erwähnte, ist die Gestaltung der Ausstellungsräume eine große Herausforderung. Zwar wussten wir, wie die gesammelten Objekte und Geschichten auf die Räume aufgeteilt werden, allerdings war noch nicht klar, wie die Räume konkret aussehen würden.

Wir wollen die Aufmerksamkeit der Besucherinnen und Besucher vom ersten Raum an gewinnen und deren Neugierde durch alle Räume hindurch immer wieder aufs Neue wecken. Es reicht also nicht aus, die Ausstellungsobjekte einfach irgendwie an den Wänden entlang aufzureihen!

Wir haben uns daher für jeden Ausstellungsraum Besonderheiten überlegt, die den Raum optisch interessant und spannend machen. So werden die Besucherinnen und Besucher im Eingangsbereich von einer Installation begrüßt, die die Berufsträume von Kindern als von der Decke hängende Traumwolken präsentiert. Direkt im darauffolgenden Raum erwartet die Besucherinnen und Besucher ein gemütliches Sofa in einer Wohnzimmeratmosphäre, um Erinnerungen an die eigenen Überlegungen zur Berufswahl im Kreis der Familie zu wecken.

Nachdem wir ein erstes Gestaltungskonzept entworfen hatten, haben wir uns professionelle Hilfe geholt. In Zusammenarbeit mit einem Gestaltungsbüro, das sich auf die Gestaltung von Ausstellungen spezialisiert, wurden unsere Ideen zum Leben erweckt.

Bevor die Gestaltung der Räume umgesetzt, die Objekte positioniert und die Ausstellung aufgebaut werden kann, mussten wir aber noch einmal in die Redaktion. Es galt Texte zu schreiben, die die Besucherinnen und Besucher in der Ausstellung von Objekt zu Objekt führen und deren Geschichten erzählen.

Mehr dazu in der kommenden Woche!


Der größte Raum des Ausstellungsgebäudes. Noch steht er leer, bald jedoch wird hier an verschiedenen Stationen präsentiert, welche Fähigkeiten in der handwerklichen und gewerblichen Berufsausbildung benötigt werden. An einer Reihe von Stationen können Sie dabei selbst ihr Geschick testen!

3. Wie soll die Ausstellung aussehen?

Eine Herausforderung für uns war, die gesammelten Objekte und persönlichen Geschichten auf eine Art zu präsentieren, die bei den Besucherinnen und Besuchern die Lust weckt, diese zu entdecken.

Warum ist das eine solche Herausforderung? Unser Ausstellungsgebäude hat zehn kleine Zimmer auf zwei Etagen. Wir müssen uns deshalb immer sehr konzentrieren und überlegen, was wir zeigen wollen und wie wir das Gezeigte auf die Räume verteilen. Hinzu kommt, dass das Thema Ausbildung erst einmal ziemlich trocken klingt.

Darum entschieden wir, die Besucherinnen und Besucher selbst in die Rolle junger Auszubildender zu versetzen und durch die verschiedenen Stationen der Berufsausbildung zu leiten. Dann war es auch relativ leicht, einen Themenschwerpunkt für die einzelnen Räume zu finden!

Jeder Raum präsentiert eine andere wichtige Phase der Berufsausbildung. Direkt im ersten Raum werden die Besucherinnen und Besucher eingeladen, über die Berufswünsche ihrer eigenen Kindheit nachzudenken. Darauf werden sie in den weiteren Räumen der Ausstellung in chronologischer Reihenfolge durch die Berufsausbildung geführt: von der Bewerbung im Betrieb über den ersten Arbeitstag bis schließlich zur Gesellenprüfung. Jeweils thematisch passend präsentieren die Räume die von uns gesammelten Geschichten und Objekte zur Berufsausbildung seit 1945.

Auf diese Weise erleben die Besucherinnen und Besucher den Ablauf einer Berufsausbildung im Handwerk und Gewerbe und können sehen, wie sich die Ausbildung seit 1945 verändert hat.

Der letzte Raum der Ausstellung ist dann noch einmal ein besonderer Höhepunkt. Die Besucherinnen und Besucher können bei einem Spiel herausfinden, welche Zukunftswege sich nach dem Ende einer Berufsausbildung öffnen. Hierbei spielt auch das Glück eine Rolle.

 

Nachdem für alle Räume ein Konzept gefunden und die Objekte und Geschichten zugewiesen waren, begann der nächste schwierige Teil der Vorbereitung für die Ausstellung. Wie sollten die Objekte in den Räumen angeordnet werden? Wie sollten wir unsere Informationen in den Räumen präsentieren? Und wie sollten die Ausstellungsräume insgesamt gestaltet werden?

Mehr dazu in der kommenden Woche!


Dieser Sekretär ist das Gesellenstück eines Tischlers, der in den 1950er-Jahren seine Gesellenprüfung ablegte. Der Sekretär und seine Geschichte sind in der Ausstellung zu sehen. Foto: Karin Ruhmöller.

2. Wie können wir das wissen?

Nach der Kontaktaufnahme organisierten wir Interviews mit den Handwerkerinnen und Handwerkern, in denen wir sie zu verschiedenen Aspekten ihrer Lebensgeschichte befragten. Die Ergebnisse dieser Gespräche bilden eine wichtige Grundlage der Sonderausstellung. Viele präsentierten uns dabei interessante Erinnerungsstücke aus ihrer Ausbildungszeit, die als Objekte in der Ausstellung zu sehen sein werden.

Die Gespräche waren nur die eine Hälfte der Recherchen. Ein Großteil der weiteren Arbeit fand in Bibliotheken und Archiven statt. So verbrachten wir viel Zeit damit, bei Besuchen im Westfälischen Wirtschaftsarchiv in Dortmund alte Unterlagen der Handwerkskammern und Innungen sowie historische Zeitschriften für junge Auszubildende auszuwerten. Dadurch bot sich uns nach und nach ein Bild zur Entwicklung der Berufsausbildung seit 1945. Die im Archiv gewonnenen Informationen waren zudem nützlich, um den bei den Interviews noch gezieltere Fragen zu den Erfahrungen in der Ausbildung stellen zu können.

Ein wichtiger Teil der Recherchen fand im Internet statt. Wenn man weiß, wonach man sucht, bietet das Internet viel mehr als bloß Wikipedia-Einträge!

Die Website des Statistischen Bundesamtes sammelt umfangreiche Statistiken zur Entwicklung der Berufsbildung in Deutschland. Die Website des Bundesinstitutes für Berufsbildung stellt allen Interessierten Aufsätze und Statistiken zu vielen Fragen und Problemen im Zusammenhang mit der Berufsausbildung in Deutschland zur Verfügung. Auch die Online-Angebote der Bundeszentrale für politische Bildung waren für unsere Recherchen eine wichtige Quelle.

Alleine durch das Anhäufen von Informationen kann man aber keine Ausstellung vorbereiten! Im nächsten Schritt mussten wir die gesammelten Informationen aufarbeiten, ordnen und auf deren Grundlage einen Plan zur Gestaltung der Ausstellung entwerfen.

Mehr dazu jedoch in der kommenden Woche!

Wollen Sie zwischenzeitlich selbst zur Berufsausbildung recherchieren? Dann schauen Sie bei diesen Adressen vorbei. Hier finden sie kostenlos und ohne Beschränkungen reichhaltige Informationen zur Berufsausbildung in Deutschland:

Bundesinstitut für Berufsbildung: https://www.bibb.de/de/die_themen.php

Bundeszentrale für Politische Bildung: http://www.bpb.de/gesellschaft/bildung/zukunft-bildung/

Statistisches Bundesamt: https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bildung-Forschung-Kultur/_inhalt.html;jsessionid=59E435A579FEF5F4B6851A37381E11FF.internet732


„Stift, Lehrling, Azubi. Ausbildung von 1945 bis heute“ – Von der Idee bis zur Ausstellung

Am 2. Juni ist es soweit. Nach Monaten des Planens und Vorbereitens öffnet unsere diesjährige Sonderausstellung „Stift, Lehrling, Azubi. Ausbildung von 1945 bis heute“ endlich ihre Pforten. Der Zeitpunkt für dieses Thema könnte nicht besser getroffen sein. Diskussionen um einen Fachkräftemangel in vielen Handwerken und Probleme bei der Besetzung von Lehrstellen sind Themen, die mittlerweile regelmäßig in der Presse auftauchen.

Mein Name ist Falk Liedtke. Ich bin studierter Wirtschaftshistoriker und Doktorand an der Ruhr- Universität Bochum. Seit Anfang Dezember vergangenen Jahres bin ich der neue wissenschaftliche Volontär des LWL-Freilichtmuseums Hagen und unterstützte seitdem die Vorbereitungen für die Sonderausstellung. Daher werde ich nach der Eröffnung am 2. Juni diesen Blog nutzen, um wöchentlich verschiedene Bereiche der Ausstellung kurz zu präsentieren und so nach und nach einen digitalen Begleiter schaffen, der hoffentlich bei Ihnen, liebe Lesende, das Interesse weckt, der Ausstellung einen Besuch abzustatten.

Doch bis dahin dauert es noch einige Wochen. Daher wird dieser Blog in den kommenden Wochen einen Blick hinter die Kulissen der Entstehung einer Sonderausstellung beim LWL-Freilichtmuseum Hagen bieten. Von der Ideenfindung und Themenrecherche über das Finden von Ausstellungsobjekten bis hin zur Gestaltung und dem Aufbau in den Ausstellungsräumen werden wir die verschiedenen Stationen bis zur Eröffnung der Ausstellung gemeinsam betrachten.

 

  1. Von der Ideenfindung bis zur Suche nach Kooperationspartnern

Als ich im Dezember zum Wissenschaftlerteam des LWL-Freilichtmuseums hinzustieß, waren die Planungen für die Ausstellung schon im vollem Gange. Tatsächlich erfordert die Vorbereitung einer Ausstellung immer viel Zeit. Am Anfang steht die Festlegung eines Themas, das zum Museum passt und die Besucherinnen und Besucher interessiert. Da Ausstellungen auf lange Sicht geplant werden müssen, geschieht diese Themenfestlegung schon mehrere Jahre vor der geplanten Eröffnung.

Die konkreten Planungen für die Inhalte und Ziele der Ausstellung begannen dann Mitte letzten Jahres. Zu Beginn suchten meine Kolleginnen vor allem nach Kooperationspartnern, die uns später bei der Informationssuche zur Berufsausbildung und der Suche nach persönlichen Erfahrungen aus der Berufsausbildung und Objekten für die Ausstellung behilflich sein sollten. Wichtige Ansprechpartner wurden dabei die Handwerkskammern und Innungen der Region. Sehr hilfreich war auch der Kontakt zu den Berufsinformationszentren der Bundesagentur für Arbeit.

Neben Facebook, der Presse und der Verteilung von Flugblättern war diese frühe Kontaktaufnahme auch hilfreich für unsere Aufrufe, in denen wir in der Bevölkerung nach Objekten für die Ausstellung und persönlichen Erfahrungen aus der Berufsausbildung fragten. So nahmen schon bald einige interessierte Privatpersonen Kontakt zu uns auf, zeigten uns Objekte und erzählten ihre Geschichten. Schon im Zuge dieser ersten Gespräche gelangten meine Kolleginnen an wichtige Erkenntnisse zu den Veränderungen in der Berufsausbildung während der vergangenen 70 Jahre. So erzählten einige ältere Handwerker beispielsweise, dass es in den 1950er-Jahren selbstverständlich war, dass die Eltern die Ausbildungsstelle ihrer Kinder suchten, da die jungen Auszubildenden meist erst 13 Jahre alt waren.

Oft ergaben sich aus diesen ersten Gesprächen auch weitere Kontakte zu Handwerkern und Gewerbetreibenden. Auf dieser Basis begannen die Recherchen für die Objekte der Ausstellung.

Die weiteren Recherchen zu den Themen der Ausstellungen begannen kurz danach. Zu diesem Zeitpunkt bin ich dann zum Team hinzugestoßen.

Mehr dazu im nächsten Beitrag!