31.07.2020

Objekte aus 60 Jahren Museumsgeschichte

Picke und Kraushammer, vermutlich vor 1900 Holz, Metall; H. 27,8/43,3 cm, B. 16,8/12,8 cm, T. 4/5,4 cm, Foto: LWL-Freilichtmuseum Hagen, fotoservice-sagurna

Picke und Kraushammer

Unter die Haut

Mit dem Kraushammer werden die Oberflächen abgenutzter Mühlsteine, die für den Mahlvorgang verantwortlich sind, geebnet. An beiden Stirnseiten des Hammers befinden sich zahlreiche pyramidenförmige Spitzen, die die Oberfläche des Steins aufrauen. Die Picke dient dazu, die abgeflachten Luftfurchen, durch die das Mehl zwischen den beiden Steinen von innen nach außen transportiert wird, zu vertiefen. Durch die Form und den Verlauf der Furchen entsteht ein charakteristisches Mahlflächenmuster.

Beim Schärfen der Mühlsteine handelte es sich um eine zeitaufwendige Arbeit, weil der Müller oder Mühlenbauer den Mahlgang dafür auseinandernehmen und den oberen Mahlstein („Läuferstein“) mit Hilfe eines Galgens umdrehen musste. Mühlsteine aus relativ weichem Sandstein mussten ungefähr alle zehn Tage geschärft werden. Beim Schärfen härterer Mühlsteine sprangen von der Picke gelegentlich Stahlsplitter ab, die sich unter der Hautoberfläche absetzten und wie bei einer Tätowierung blau verfärbten. Die Müller waren deshalb an ihren blau gesprenkelten Handrücken gut zu erkennen.

Kraushammer und Picken wurden in unterschiedlichen Größen verwendet. Ein Müller musste stets eine große Anzahl gut geschärfter und gehärteter Picken zur Verfügung haben. Vor allem um das Härten des Stahls ranken sich viele Geheimrezepte, welche die Müller wie einen Schatz wahrten.

Julia Wilksen

Kategorie: Objekte aus 60 Jahren

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