23.10.2020

Objekte aus 60 Jahren Museumsgeschichte

Unruh einer Kleinuhr, um 1950 Metall; Ø 0,9 cm, Foto: LWL-Freilichtmuseum Hagen, fotoservice-sagurna

Schwingendes Herz

Unruh

Die Unruh ist aus Metall gefertigt. Schwungrad und Spiralfeder bilden zusammen das Unruhschwingsystem, das nach dem Prinzip eines Drehpendels funktioniert. Das mit einer bestimmten Frequenz schwingende Unruhschwingsystem steuert die Ganggenauigkeit einer Uhr, es steuert, wie genau die Uhr die Zeit anzeigt. Ein Schrittschaltwerk zählt die Schwingungen der Unruh und schaltet das Räderwerk der Uhr und die Zeiger während jeder Vollschwingung der Unruh um einen (oder, abhängig von der Konstruktion, zwei) Schritte weiter. Im mechanischen Uhrwerk sorgt die Schwingung der Unruh somit dafür, dass die in einem Federspeicher gespeicherte Energie genau dosiert in das Räderwerk der Uhr abgegeben wird und dort Sekunden-, Minuten- und Stundenzeiger mit exakter Geschwindigkeit bewegt.

Die Unruh ist das Herzstück einer Kleinuhr mit mechanischem Uhrwerk. Sie ist ein Beispiel dafür, dass in manchen Handwerken extreme Präzision erforderlich ist: In der Uhrmacherei sind Maßgenauigkeiten im 1/100 Millimeterbereich keine Seltenheit.

Die ersten Uhrmacher im Mittelalter waren noch Schlosser und Schmiede. Je kleiner die Uhren gebaut wurden und je präziser sie die Zeit maßen, umso höher wurden die Anforderungen an die Uhrmacher, die bereits im 18. Jahrhundert feinmechanische Arbeiten erledigten. Die Unruh nutzt eine kontrollierte Drehbewegung für ihre Funktion. Die Konstruktion von Apparaten, die kontinuierlich zugeführte oder gespeicherte Energie in Drehbewegung umsetzten und mechanisch nutzbar machen, war eine große Leistung, die Impulse für die Entwicklung der gesamten Technik gab: Zum Beispiel bei den Uhren, Dampfmaschinen, bis hin zu Motoren und Turbinen.

Lutz Engelskirchen

Kategorie: Objekte aus 60 Jahren

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