30.10.2020

Objekte aus 60 Jahren Museumsgeschichte

Tiefhammerkopf aus dem Dreiergeschläge eines Kupferhammers, Kassel-Bettenhausen, um 1780 Eisen; H. 116 cm, B. 26 cm, T. 19 cm, Foto: LWL-Freilichtmuseum Hagen, Manfred Vollmer

Der Kesselmacher

Tiefhammerkopf

Mit der weit heruntergezogenen Hammerbahn des Tiefhammers konnte man Blech aushämmern und insbesondere tiefe Hohlkörper, zum Beispiel Kessel bzw. Kesselböden, ausformen und bearbeiten. Der rechteckige Ausschnitt im oberen Teil des Hammerkopfes nimmt den Hammerstiel auf. Der Hammer ist Teil eines „Dreiergeschläges“ aus Breit-, Tief- und Schlichthammer, der typischen Kombination eines Kupferhammerwerks. Alle drei Hämmer wurden über eine gemeinsame Welle von einem Wasserrad angetrieben.

Kupferhammerwerke lieferten meist Halbfertigprodukte, die die Kupferschmiede fertig bearbeiteten. Nachdem seit Anfang des 19. Jahrhunderts Kupferblech gewalzt werden konnte, waren die Hammerwerke in der Blechherstellung nicht mehr konkurrenzfähig. Doch hielten sich solche Anlagen noch bis ins 20. Jahrhundert zur Herstellung von Kesseln und Gefäßen. Standorte großer Kupferhammerwerke waren der Harz und die Region rund um Stolberg (Eifel), aber auch der märkische Raum südöstlich von Hagen, daher war ein Kupferhammer von Anfang an im Museumskonzept vorgesehen.

Der Hammerkopf stammt aus dem Messinghof in Kassel-Bettenhausen. Zusammen mit anderen Bestandteilen von Kupferhämmern, u. a. einer Anlage in Osterode (Harz), wird er seit 1982 im Kupferhammerwerk des Freilichtmuseums präsentiert. Obwohl dessen Inneneinrichtung aus mehreren Anlagen zusammengesetzt ist, zählt sie aufgrund der Seltenheit ihrer Einzelbestandteile zu den bedeutendsten technischen Denkmalen des Museums. Speziell solche Tiefhämmer sind in Europa nur äußerst selten erhalten.

Lutz Engelskirchen

Kategorie: Objekte aus 60 Jahren

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