01.01.2021

Objekte aus 60 Jahren Museumsgeschichte

Grabstein, Ergste, dat. „1807“, Inschrift: „ANDREAS · KA: SPER: KWMPER : SIRACH · 39 · V 29 · ALSO · EIN SCHMID · DER · MWS · BEI · SEINEM · AMBOS · SEIN · WND · SEINE SCHMIEDE · WARTEN:“, „ANNA · KA · TRINA · MARIA · HERLINGHAWS : GENANT · KWMPER : DIESE · GRWBE · IST · 15 · FWS · LANG · ANNO · 1807 ·“; Zange und Hammer. Sandstein; H. 91 cm, B. 86 cm, T. 10 cm, Foto: LWL-Freilichtmuseum Hagen, fotoservice-sagurna

Anregung für die Lebenden

Grabstein

Der Grabstein stand auf dem alten Friedhof in Ergste (heute ein Ortsteil von Schwerte). Die Inschrift sowie die Symbole Zange und Hammer lassen vermuten, dass es sich bei dem Beigesetzten um einen Schmied und dessen Ehefrau handelt. Seit dem Spätmittelalter bildeten Hammer und Zange zusammen ein Zeichen für Schmiede. Solche Berufszeichen sind auf Grabsteinen der Frühen Neuzeit allerdings verhältnismäßig selten überliefert. Noch seltener ist der Beruf des Verstorbenen mit einem geistlichen Spruch thematisiert.

Das Zitat, nach dem ein Schmied bei seinem Amboss bleiben und seine Schmiede „warten“ muss, stammt aus dem Weisheitsbuch Jesus Sirach. Dem Text wurden in der Frühen Neuzeit zahlreiche Sprüche als Lebensweisheiten entnommen, die zu einer vorbildlichen Lebensweise anregen sollten. In der Fortsetzung des Textes werden die Lasten der Arbeit in einer Schmiede genannt: Bei großer Hitze und starkem Lärm muss der Schmied kunstfertig und zugleich mühevoll arbeiten.

Der Steinmetz, der den Grabstein schuf, konnte vermutlich nicht lesen. Er brachte alle Anweisungen, die im Zusammenhang mit dem Grab bzw. dem Grabstein auf einem Zettel notiert waren, auf dem Stein an, also auch den Hinweis auf die Länge der „Grube“, die sicher eine Angabe für die Arbeit der Totengräber war.

Der Heimatverein Ergste übergab den Grabstein zusammen mit zwei weiteren Grabsteinen im Jahr 1973 an das Museum. Der Gründungsdirektor hatte ursprünglich geplant, auf dem Gelände auch eine Kirche mit Friedhof zu errichten.

Anke Hufschmidt

Kategorie: Objekte aus 60 Jahren

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