02.04.2021

Objekte aus 60 Jahren Museumsgeschichte

Regulier-Füllofen, Olsberger Hütte, Olsberg, Anfang 20. Jahrhundert Gusseisen, Schamott; H. 185 cm, B. 52 cm, T. 46 cm, Foto: LWL-Freilichtmuseum Hagen, fotoservice-sagurna

Maritime Hitze

Regulier-Füllofen

Vier kräftig ausmodellierte Simse gliedern den Ofen in fünf Zonen, die seiner funktionalen Gliederung entsprechen: Zuunterst befindet sich die Sockelzone mit vier ausstehenden Standfüßen. Darüber liegt die Aschenklappe mit der Aschenschublade. Eine Etage höher befinden sich Feuertür und Rost, darüber liegt der Brennraum. Das Oberteil, das in einem Rankornament ausläuft, schließt den Ofen ab. Der Name des Ofens leitet sich von seiner Funktionsweise ab: Er wurde mit Kohle oder anderen festen Brennstoffen gefüllt und konnte aufgrund verschiedener technischer Möglichkeiten besonders gut reguliert und auch im Dauerbetrieb genutzt werden.

Der Ofenkörper ist überzogen mit ornamentalem und floralem Rankwerk sowie Motivtafeln. Der Kontrast zwischen den glatten unteren Wandzone und der stark ornamental geschmückten Aschenklappe betont diese, zwei Pilaster mit großen Voluten heben die Feuertür hervor. Beide Gestaltungsmittel verweisen auf die zentrale Funktion des Ofens: die Erzeugung von Hitze.

Es handelt sich um einen sogenannten „Flottenofen“, der unter der Nummer 62 im Musterbuch der Olsberger Hütte von 1907 aufgeführt wird. Entsprechend sind die Motive gewählt: Schiffe ziehen unter geblähten Segeln ihre Bahn, im Mittelpunkt des Ofenkörpers hält ein mit einem Südwester bedeckter Steuermann ein großes Steuerrad.

Maritime Motive kennzeichnen eine Mode des späten 19. Jahrhunderts. Stilistisch ist der Ofen dem Historismus zuzuordnen. Zugleich fällt aber auch die Betonung der wichtigsten Funktionselemente des Ofens auf, dessen Zweck unter der ornamentalen Hülle nicht verborgen bleibt.

Lutz Engelskirchen

Kategorie: Objekte aus 60 Jahren

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